
Vor Inkrafttreten des 1. Regionalisierungsgesetzes für Nordrhein-Westfalen wurde zum 1. Juni 1994 der AVV als dritter vollwertiger Verbund - nach VRR und VRS - in Nordrhein-Westfalen gegründet.
Unmittelbar nachdem die Verbundverträge im Mai 1994 unterzeichnet sind, nimmt der AVV seine Arbeit auf. Als Gründungsgeschäftsführer werden die Vorstände bzw. Geschäftsführer der kommunalen Verkehrsunternehmen bestellt. Die Geschäftsstelle der AVV GmbH wird unter der Leitung von Herrn Hans Joachim Sistenich aufgebaut.
Noch im gleichen Jahr beginnen die Vorbereitungen für eine grundlegende Reformierung der Tarife im AVV und die Einbeziehung des SPNV der DB.
Zum 1. Juni 1995 wird die 1. Stufe der Tarifreform bereits umgesetzt. Zunächst werden alle Zeitkarten auf das neue Tarifsystem »Regenbogen-Tarif« umgestellt. Hiermit sind im wesentlichen folgende Verbesserungen verbunden:
Im Juli 1995 wird ein Vertrag zwischen der DB und der AVV zur Anerkennung des »Schönes-Wochenende-Ticket« im AVV abgeschlossen.
Im Rahmen einer breitangelegten Werbekampagne werden die neuen Angebote in Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen am Markt plaziert.
Zum Jahresbeginn tritt das Regionalisierungsgesetz in NRW in Kraft. Damit übernimmt der Zweckverband AVV gleichzeitig die Aufgaben- und Finanzverantwortung für den SPNV. Die Verbundverträge werden entsprechend angepaßt.
Im März 1996 verständigen sich AVV und DB nach 1½ jährigen Verhandlungen auf einen Verkehrsvertrag.
Im gleichen Monat wird von seiten des AVV und in Abstimmung mit den Gebietskörperschaften ein umfangreiches Konzept zum Ausbau des Nahverkehrs zum ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW angemeldet. Bestandteil der Anmeldung sind auch die ersten Überlegungen zum Stadt- und Regionalbahnkonzept Aachen.
Pünktlich zum 1. Juni 1996 tritt die 2. Stufe der AVV-Tarifstrukturreform in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gilt der »Regenbogen-Tarif« für alle Fahrausweise des AVV. Gleichzeitig wird der gesamte SPNV tariflich in den AVV integriert, d. h. es gilt nur noch ein Ticket für Bus und Bahn.
Im Rahmen einer großen Werbekampagne werden die Bürger über die Neuerungen informiert. Höhepunkt dieser Kampagne ist das Bahnhofsfest in Aachen. Ein attraktives Rahmenprogramm lockt mehr als 20.000 Besucher nach Aachen.
Im August wird Herr Hans Joachim Sistenich vom Aufsichtsrat der AVV GmbH zum Geschäftsführer bestellt. Gleichzeitig wird der Unternehmensbeirat gegründet, um hierdurch die Kontinuität in der Zusammenarbeit weiter fortzuführen.
Im Oktober gibt der AVV eine vertiefende Untersuchung zum Ausbau des Schienenverkehrs in Auftrag.
Weitere Neuerungen im Jahr 1996:
Der AVV veranstaltet ein Symposium zur Stadt- und Regionalbahn Aachen auf der Burg Stolberg. In einer Reihe von Referaten berichten Fachleute über den Stand der bisherigen Planung und die Entwicklungschancen für eine Stadt- und Regionalbahn im Raum Aachen. Ein RegioSprinter der Dürener Kreisbahn (DKB) fährt erstmalig nach Stolberg-Hammer.
Schon im Januar 1997 zeichnet sich ab, daß die Zahl der Fahrgäste im AVV durch die Integration der Schiene spürbar größer wird.
Die Geschäftsführung der AVV GmbH übernimmt den Vorsitz in der Arbeitsgruppe ÖPNV der Euregio Maas-Rhein.
Der AVV stellt verschiedenen Modelle für ein Semester-Ticket vor und befragt die Studierenden. Im Herbst startet der AVV zusammen mit der ASEAG eine Werbekampagne für das Semester-Ticket an der RWTH. Im Dezember ruft der AStA der RWTH Aachen die Studierenden zu einer Urabstimmung über ein Semester-Ticktet auf. Das Angebot findet zwar eine Mehrheit, scheitert jedoch an einer 2/3-Klausel aufgrund mangelnder Wahlbeteiligung.
Ein neues Verfahren zur Förderung von Fahrzeugen (Bus) tritt in Kraft. Der AVV entwickelt entsprechende Förderrichtlinien und wickelt das Verfahren für die Aufgabenträger ab.
Die DB führt das »City-Ticket« ein. Durch Kooperation mit dem AVV gelingt es auch, die Städte Aachen und Düren in das Angebot mit einzubeziehen.
Zum Fahrplanwechsel wird das Busangebot in den Eifel-Kommunen deutlich verbessert.
Im Herbst 1997 hat die elektronische Fahrplanauskunft des AVV im Internet Premiere.
Von April bis Oktober hat der AVV ein Kombi-Ticket zur Landesgartenschau in Jülich im Programm. Busticket und Eintrittskarte gibt es in einem. Gleichzeitig mit dem Kombi-Ticket wird das Busangebot auf den Strecken aus der Region nach Jülich verbessert.
Die vom AVV in Auftrag gegebene vertiefende Untersuchung zum Schienenverkehr in der Region wird im Mai fertiggestellt und den Beiräten vorgestellt.
Zum Fahrplanwechsel am 24. Mai wird in NRW der Integrale Taktfahrplan (ITF) eingeführt. Die Züge in NRW werden dadurch besser miteinander verknüpft, die Taktfolge der Züge verdichtet. Zum gleichen Zeitpunkt wird zwischen Düren und Euskirchen eine neue Schnellbuslinie SB98 eingeführt und eine Finanzierungsregelung mit dem Kreis Euskirchen vereinbart.
Neben den altbekannten Verbundfahrplänen erscheint erstmalig ein Fahrplan für die Euregio Maas-Rhein. Er steht in enger Verbindung mit dem euregioticket, welches ab Juli erstmalig erhältlich ist. Es gilt auf fast allen Bus- und Schienenstrecken der Euregio Maas-Rhein. Die grenzüberschreitende Koordination des Projektes erfolgt durch den AVV.
Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen bei der Schülerfahrkostenverordnung wird für Kinder und Jugendliche das Fun-Ticket angeboten.
Von Juni bis September beteiligt sich der AVV und die angeschlossenen Unternehmen an der landesweiten Aktion »Umdenken, Umsteigen - 100.000 Tage ohne Auto«. Die Aktion ist eine Initiative von Verkehrsgruppen wie ADFC und VCD, der Verbraucherberatungen in NRW und des Landes NRW.
Ab August ist der AVV im Internet unter dem Namen www.avv.de vertreten.
Im Auftrag des Kreises Aachen erstellt der AVV den 1. Nahverkehrsplan für den ÖPNV. Ebenfalls wird der 1. Nahverkehrsplan für den SPNV entwickelt und im Dezember durch die Verbandsversammlung verabschiedet.
Im Frühjahr 1999 stellt der AVV das Konzept für eine grundlegende Neuordnung und Optimierung der Regionalbahn vor. Die Reaktivierung von vier Strecken mit insgesamt 19 neuen Haltepunkten, die Schaffung einer neuen Netzverbindung zwischen Langerwehe und Weisweiler und ein optimiertes Betriebs- und Fahrzeugkonzept bilden die Grundlage des neuen Konzeptes.
Die Verhandlungen mit einem privaten Eisenbahninfrastrukturunternehmen und dem Land NRW zur Übernahme und Sicherung des gefährdeten Streckennetzes in der Aachener Region werden aufgenommen. Die Verhandlungen führen zur Unterzeichnung eines Rahmenvertrages am 1. September während eines Festaktes in Stolberg. Mit dem Rahmenvertrag wird der Grundstein für den Ausbau der euregiobahn gelegt.
Im Juni bzw. September werden erste tarifliche Übergangsregelungen mit den benachbarten Verkehrsverbünden VRR und VRS eingeführt. Ergänzt wird das Angebot durch das NRWplus-Ticket, welches in Verbindung mit einer Fahrkarte der DB erworben werden kann und eine Fahrt mit dem ÖPNV am Zielort innerhalb der Verkehrsverbünde mit einschließt.