
Wie wär's mit einem Ausflug ins belgische Lüttich? Besuchen Sie dort das »Musée des Transports en Commun« und tauchen Sie ab in die historische Zeit des öffentlichen Nahverkehrs. Im Museum der öffentlichen Verkehrsmittel des Lütticher Landes in einem ehemaligen Straßenbahn-Depot wird Geschichte an Hand zahlreicher historischer Ausstellungsstücke lebendig.
Schlendern Sie anschließend durch Lüttich und genießen Sie doch in einem der zahlreichen Cafés eine belgische Waffel oder die berühmte belgische Schokolade.
Was war das für eine Zeit? »L'alcool est un poison qui détruit la santé, la paix et l'union de la famille.« Ein klinisch-grünes Warnschild soll den Betrachtern bei seinen Urängsten packen, Alkohol zerstört die Gesundheit, den Frieden und den Zusammenhalt der Familie. Gesehen, nicht im Wartezimmer eines französischen Krankenhauses im Jahr 2008, sondern in einer Lütticher Straßenbahn aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Einer Tram mit stuckartig verzierter Deckentapete, geschliffenen Glasfenstern mit Art Nouveau-Verzierungen und einer Messingarmatur, aus der mit brachialer Gewalt die deutschen Wörter »Vorwärts« und »Halt« gemeißelt wurden. Man hasste die Deutschen. Vor Alkohol wurde gewarnt. So war die Zeit.
Mitten im Stadtteil Vennes-Fétinne ist das Museum der öffentlichen Verkehrsmittel des Lütticher Landes in einem ehemaligen Straßenbahn-Depot untergebracht. Die alte M.A.N.-Tram, vor 1914 in den Dienst der Belgier gestellt, ist eine der vielen Straßenbahn-Wagen, die hier ihre Geschichten erzählen. Außerdem Postwagen aus dem 18. Jahrhundert, Pferdebahnen, Oberleitungs-Busse und sogar eine U-Bahn aus den 1980ern, die in ihrem glorreichen Dienstleben nie mehr als eine Teststrecke gesehen hat, weil der Stadt Lüttich nach den ersten massiven Baumaßnahmen schlicht das Geld ausging, um weiter zu machen.
Die begehbaren Ausstellungsstücke tragen die Spuren der Menschen, die tagein, tagaus zur Arbeit, ins Theater, zur Schule gefahren sind. Die Holzbänke und die abgenutzten Ledersitze, Werbetafeln für Schuhe, Waschmittel und Sexualberatung für Jugendliche oder Reservierungsschilder für Frauen, angebracht, damit Schluss gemacht werden konnte mit der lästigen Anpackerei im Gedränge des Berufsverkehrs. Die Wagen berichten vom Wandel der Gesellschaft: Von den Anfängen der »Tramway«, als schon eine Kurzstrecke den Reichen vorbehalten blieb und vergleichsweise so viel kostete, wie heute ein Stunde Arbeit, bis hin zum Massenbeförderungsmittel im öffentlichen Auftrag.
Für das Aachener Publikum bietet die Ausstellung übrigens noch ein besonderes Highlight: Drei Straßenbahnen aus verschiedenen Jahrzehnten erinnern an das Tramnetz, das einst die gesamte Stadt durchzog und bis 1974 das Straßenbild prägte. | Text:
Klenkes
Mit dem RE 29 (euregioAIXpress) von Aachen Hbf bis Lüttich-Guillemins und dann mit der
TEC-Buslinie 4 bis zur Haltestelle »Natalis«.
Musée des transports en commun du pays de liége
Rue Richard Heintz 9
B-4020 Liége/Lüttich
Tel.: 00 32 - 43 61 91 11
Öffnungszeiten:
Führungen (auch deutschsprachig) nach Voranmeldung

Mit dem euregioticket können an Wochenenden und Feiertagen 2 Erwachsene und 3 Kinder unter 12 Jahren einen Tag lang nahezu alle Busse und Bahnen in der gesamten Euregio Maas-Rhein nutzen. [mehr]