
Eine Kopfsache ist das nicht. Der Wirkung der Anlage kann sich keiner entziehen; die Nationalsozialisten wussten, welche Knöpfe im Menschen sie drücken müssen. In den nord-westlichen Hang der Dreiborner Hochfläche pflanzten sie hoch über dem Ufer des Urftsees ein Gebäude-Ensemble, dessen Bestimmung die Zucht des neuen NS-Führungskaders sein sollte. Der in Terrassen angelegte Campus ist monumental. Seine Ausdehnung im Hang und die Ausrichtung der verschiedenen Häuser zur über allem thronenden Wandelhalle mit der großen Freitreppe zum Appellplatz erinnern an eine Tempelanlage und Weihestätte. Hier ist der Mensch klein.
Seinen eigentlichen Zweck erfüllte Vogelsang nie, gerade mal drei Schulungsjahrgänge traten an, bis der Lehrbetrieb eingestellt und das Gelände der Wehrmacht übergeben wurde. Nach dem Krieg wurde es zunächst von den Briten und ab 1950 von der belgischen Armee als Truppenübungsplatz genutzt. Insgesamt wurde bis Anfang 2006 ein ca. 33 Quadratkilometer großes Areal für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Bewohner der darin liegenden Ortschaft Wollseifen mussten bereits 1946 ihre Häuser verlassen und umsiedeln. Das Dorf wurde zur Wüstung, in der die Soldaten den Häuserkampf probten.
Vogelsang liegt inmitten des neuen
Nationalparks Eifel. Mit der offiziellen Rückgabe des Areals an die Bundesrepublik Deutschland soll eine neue Epoche beginnen: Das Truppenübungsgelände wird als Teil des Nationalparks »der Natur und dem Naturerlebnis gewidmet«. Über ein mehrere Kilometer langes Wegenetz können sich Wanderer die Hochfläche erschließen. Derzeit bieten die Ranger der Nationalparkverwaltung jeden Sonntag ab 14 Uhr eine etwa 3- stündige Tour an, in deren Rahmen die Besonderheiten der Wald- und Offenlandflächen erläutert werden. Weil die Natur hier – abgesehen vom militärischen Betrieb – jahrzehntelang ungestört blieb, haben die Gäste gute Chancen auf außergewöhnliche Erlebnisse mit Wildtieren. So ist zum Beispiel tagaktives Rotwild keine Seltenheit.
Der bebaute denkmalgeschützte Bereich wird zu einem Informations- und Bildungszentrum ausgebaut. Hier sollen Veranstaltungen, Fortbildungen und Tagungen zur Kultur und Geschichte der Eifel stattfinden – die NS-Zeit selbst soll im Rahmen einer Ausstellung thematisiert werden. Die Serviceagentur Vogelsang bietet Rundgänge über das Gelände und in den Bauten an (tägl. um 14 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zusätzlich um 11 Uhr).
Die Landräte der Region wünschen sich, dass »diesem Ort eine neue Identität« gestiftet werden kann. Als eines der
Euregionale 2008-Projekte soll die ehemalige Ordensburg unter der Dachmarke »
vogelsang ip« dem internationalen Austausch, dem vielfältigen Lernen und Nachdenken dienen. Das »ip« soll übrigens laut Dachmarkenkonzept als offene Projektionsabkürzung für important place, in progress, interessante Projekte o.ä. stehen. | Text:
Klenkes
Sie erreichen Vogelsang aus Richtung Aachen über Simmerath mit den Buslinien SB 63 und 63.
Alle Busse und Bahnen im und rund um den Nationalpark Eifel gibt es in der Broschüre »Natur erfahren«.
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Mit dem Minigruppen-Ticket gehen bis zu 5 Freunde einen Tag lang auf große Tour. Montag bis Freitag ab 9 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ganztägig. Clever, clever. [mehr]